Abschiedspilgerfahrt 

         

DIE ABSCHIEDSPILGERFAHRT VON MOHAMMAD (S.A.S.)

Im zehnten Jahr erfüllte Allahs Gesandter (s.a.s.) die Pilgerfahrt (=AI-Hadsch).  Diese wird in der Geschichte als die "Abschiedspilgerfahrt" bezeichnet.  Im zehnten Jahr nach der Hidschra hatten alle Stämme den Islam angenommen.  Die ganze arabische Halbinsel befand sich schon unter der Leitung des Offenbarungsstaates.  Das gesegnete Medina war das Zentrum bzw. die Hauptstadt.  Von Medina aus wurde bekannt gegeben, dass Allahs Gesandter (s.a.s.) die Pilgerfahrt erfüllen wird.  Tausende Muslime waren nach Medina gekommen, um gemeinsam mit dem Gesandten Allahs (s.a.s.) zu reisen.  Mohammad (s.a.s.) begab sich am 25. Du 1-Qa'dah 10 auf den Pilgerweg.  Seine Tochter Fatimah (r.a.), die Mutter der Gläubigen, und seine Frauen (r.a.), die Mütter der Gläubigen, und 40.000 Muslime reisten mit.

Am 26. Du 1-Qa'dah bekleidete er sich mit dem Ihram (=Kaabah Gewand) und begann, Tasbiyah aufzurufen.

Am Sonntag, dem 4. Du 1-Hiddscha trafen sie im gesegneten Mekka ein und erfüllten den Ankommensumlauf (=Tawaaful-Quduum) sowie den Lauf (=Sa'y) zwischen Safaa- und Marwah-Hügel.

Am achten Dul- Hiddscha ritt Mohammad (s.a.s.) auf Quswaa von Mekka nach Minaa.  Alle 124.000 Muslime riefen unterwegs Tasbiyah auf

Am neunten Dul-Hiddscha bestieg er von Minaa den 'Arafat.  Im Namra-Dorf beim 'Arafat wurde ein Zelt aufgestellt.  Allahs Gesandter (s.a.s.) erholte sich dort eine Weile.  Dann ritt er auf Quswaa bis zur Mitte des 'Arafat -Tals, wo er gegenüber den 124.000 Muslimen seine Abschieds-Hutbah vortrug.  Dabei wurde jeder seiner Sätze von vorher bestimmten Muslimen in jede Richtung wiederholt, damit jene, die am äußeren Rand des Zuhörerkreises standen, seine Worte hören konnten.  Nach dieser- Hutbah trank er ein Glas Milch, um den Muslimen zu zeigen, dass er an jenem Tag nicht fastete.  Anschließend verrichtete er das Mittags- und Nachmittagsgebet nacheinander, wobei alle 124.000 Muslime mit ihm gebetet haben.  Danach bestieg er mit Quswaa vom 'Arafat-Tal das 'Arafat-Plateau.  Dort erfüllte er die Waqfah-Verpflichtung und betete zu Allah, dem Erhabenen, bis zum Sonnenuntergang.  Währenddessen offenbarte Allah, der Erhabene, folgende Ayat:

"Heute habe ich für euch eure Religion vollendet und habe euch meine Gnade vervollständigt.  Ich habe für euch den Islam als Religion wohl festgelegt." (Al-Maaidah 5:3)

Am gleichen Tag, nach dem Untergang der Sonne, kam er auf Quswaa von 'Arafat- nach Muzdalifah, wobei er Usamah, den Sohn von Zayd (r.a.), mit sich auf Quswaa mitgenommen hat.  Am Muzdalifah verrichtete er das Abend- und Nachtgebet nacheinander und übernachtete dort.

Am 10. Du 1-Hiddscha, dem ersten Tag des Opferfestes, begab er sich gleich nach dem Morgengebet nach Mas'aru 1-Haraam.  Diesmal nahm er Fad1, den Sohn von 'Abbas (r.a.), auf Quswaa mit.  Dort warf er sieben Steinchen auf Dschamrah-Aqabah, wobei er seine Gefährten folgendermaßen beriet: "0h ihr Menschen!  Achtet darauf, die religiösen Handlungen nicht zu übertreiben.  Denn die Übertreibung verursachte die Zerstörung der Glaubensgemeinden, die vor euch zu Grunde gegangen sind." Sodann ging er nach Minaaa.  Dort waren 100 Opferkamele vorbereitet worden.  Allahs Gesandter (s.a.s.) opferte selbst 63 Kamele.  Die übrigen schlachtete 'Ali (k.w.).

Von diesem Opferfleisch wurde etwas gekocht und gegessen.  Der größte Teil wurde an die Armen verteilt.  Anschließend ließ sich Mohammad (s.a.s.) die Haare kürzen und zog das Alltagsgewand an. Schließlich kam er zur Kaabah und erfüllte den Besuchsumlauf (=Tawaafu z-Ziyaarah).  Nach dem Umlauf ging er zum Zamzam Brunnen, trank eine Schüssel von dem gesegneten Wasser und kehrte nach Minaa zurück.  Die übrigen Festtage verbrachte er in Minaaa.  Am zweiten Tag hielt er eine Rede, wobei er sich von seinen Gefährten (=Ashaab) (r.a.) verabschiedete.

Am fünften Tag des Festes kam er von Minaa nach Mekka und erfüllte den Abschiedsumlauf (=Tawaafu 1-Wada').  Gleich danach begab er sich auf den Weg zur gesegneten Stadt Medina, wobei auch andere Pilger heimkehrten.

 

 

Textquelle:MEIN LEBEN FÜR DEN ISLAM 1 / RELIGIONSLEHRBUCH  / Verfasser:Baki Bilgin

IslamischeGlaubensgerneinschaft in Österreich/Wien 1995